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SAISONBERICHT

2021/2022

07.05.2022

Wenn man von einer "Saison mit vielen Ups und Downs" spricht, klingt das im ersten Moment immer sehr langweilig. Gar schablonenhaft. Zumindest für meine Ohren. Ich wage jetzt mal die bescheidene Behauptung, dass jede Sportlerin und jeder Sportler während eines Jahres immer Momente erlebt, die sie vor Freude aufjubeln lassen, und solche, bei denen sie unzufrieden sind, verzweifeln, oder sich gar schämen. Natürlich liegt ein "gutes Resultat" auch immer im Auge des Betrachters. Jemand der jedes Rennen gewinnt, wird mit einem 10. Platz wohl kaum zufrieden sein, während dies für einen anderen DAS Topresultat ist, auf das er oder sie seit Jahren hingearbeitet hat. Ich möchte sagen, dass praktisch nichts nur schwarz oder weiss ist, und es deshalb wahrscheinlich weder eine Saison nur mit "Ups", noch eine gibt, in der man bloss Rückschläge erfährt. Denn die rund vier Monate in denen wir Wettkämpfe laufen sind eine lange Zeit. Selbst wenn man das sagenumwobene Licht am Ende des Tunnels nicht gleich sehen kann, lohnt es sich trotzdem weiterzulaufen. Ein etwas kitschiger Satz, aber ihr wisst, woraus ich hinaus will. Es mag jetzt heuchlerisch klingen, aber ich hatte eben WIRKLICH eine "Saison mit Ups und Downs". Ich bin tief gefallen und hatte Mühe wieder aufzustehen (teilweise wörtlich gemeint). Dafür erlebte ich die Höhenflüge danach als umso schöner. Nun ja, in meinem letzten Newsletter hatte ich ja bereits über die schweren Zeiten berichtet, deshalb werde ich in dieser Saisonanalyse nur der Vollständigkeit Willen nochmals kurz darauf eingehen. Über den zweiten Teil der Saison habe ich noch nicht geschrieben. Umso schöner, dass ich dies in diesem Rahmen tun und auch sagen kann: Es war das bisher beste Jahr meiner Karriere, zumindest was die sportlichen Ergebnisse anbelangt. Natürlich muss ich euch im Laufe dieses Textes auch mit Fakten und Zahlen langweilen, aber das gehört schliesslich auch dazu. Viel Spass beim lesen.

Ich muss von ganz Vorne anfangen um die komplette Situation zu erfassen. Ich meine nicht bei meiner Geburt, keine Angst. Das Jahr begann für mich mit dem Wechsel vom Junioren- ins Elitealter. Damit war auch der Sprung ins Herrenteam von Swiss-Ski verbunden. Dies gab mir noch einen zusätzlichen Motivationsschub und ich fand mich schnell im Team ein. Es wurde uns aber schon zu Beginn der Vorbereitungsphase mitgeteilt, dass sich das Team vor dem Winter teilen wird. Die besten sieben Athleten, die für den Weltcup in Frage kamen, durften einige Trainingslager mehr im Ausland absolvieren und die Selektionsrennen für den Weltcup im hohen Norden absolvieren. Die schwächeren vier würden die letzten zwei Startplätze im IBU Cup unter sich ausmachen. Während dem Sommertraining konnte ich grosse Fortschritte erzielen. Doch als dann der Tag der Entscheidung kam, reichte es für mich erwartungsgemäss nicht für die Top 7. Dieser Fakt allein wäre nicht weiter schlimm gewesen. Ich hatte mir ja auch nicht mehr ausgerechnet. Zusammen mit drei weiteren Athleten der, sagen wir mal, "neuen Generation" blieb ich Zuhause und absolvierte meine Trainings in der Schweiz. Versteht mich nicht falsch, die Infrastruktur in der Schweiz lässt extrem wenig zu wünschen übrig. Alleine die Tatsache, nicht im Ausland in Trainingslager zu gehen, stellte für uns keinerlei Problem dar. Aufgrund der Gruppenteilung kam es aber dazu, dass der gesamte Trainerstab mit den potentiellen Weltcupläufern mitging. Von September bis zur Saison standen wir deshalb ohne Betreuung da. Für die Woche vor den Selektionsrennen konnte noch ein kompetenter Trainer gefunden werden, worüber wir natürlich froh waren. Nichts desto trotz fühlte ich mich in dieser wichtigen Zeit vor dem Winter etwas im Stich gelassen. Da ich aus meiner Perspektive schreibe, sage ich bewusst "ich". Ich weiss aber, dass es meinen Teamkollegen ebenso ging. Ich möchte hier auch niemanden persönlich attackieren. Ich finde dennoch, dass das mal gesagt werden musste. Aber genug davon.

Dank soliden Leistungen bei den Selektionsrennen auf der Lenzerheide konnte ich mich für den ersten IBU-Cup-Block in Schweden und Norwegen qualifizieren. An sich eigentlich schon ein mittelgrosser Erfolg. Leider stand ich mir, als es zu den ersten internationalen Rennen kam, selber im Weg. Ich hatte mir schlicht zu viel Druck aufgebürdet und kam bei weitem nicht an die Trainingsleistungen heran. Wahrscheinlich war die Form auch noch nicht ganz da. Die durchzogenen Resultate führten dazu, dass ich einem Athleten, der vom Weltcup abgestiegen war, meinen IBU-Cup Startplatz abtreten musste. Wie in meinem letzten Artikel genauer beschrieben, hatte ich daraufhin mit mentalen Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese resultierten dann auch in Rückenschmerzen und Übelkeit. Im Dezember konnte ich keine Wettkämpfe mehr bestreiten und war froh, dass mit den Feiertagen eine kleine Wettkampfpause eintrat. In dieser konnte ich mich erholen und fand dank guter Gesprächspartner wieder zur altbekannten Motivation. Ich durfte sogar für den nächsten IBU-Cup nach Osrblie in die Slovakei fahren. Bis hierhin sollten die Ereignisse den regelmässigen Lesern meines Newsletters bekannt sein. Doch ab hier kam die Wende.

Bei den ersten drei Wettkämpfen konnte ich zumindest am Schiessstand gute Leistungen zeigen, für aussergewöhnliche Resultate reichte es aber nicht ganz. Als Abschluss in Osrblie sollten noch ein Sprint und ein Verfolger durchgeführt werden. Doch es kam anders. Das stürmische Wetter sorgte dafür, dass unser Einsatz im Sprint vertagt wurde. Der Verfolger wurde direkt abgesagt. Im Nachhinein sehr ärgerlich für mich. Auch am nächsten Morgen blies der Wind noch, weshalb sich viele Athleten am Schiessstand schwer taten. Ich hatte eine hohe Startnummer, weshalb ich vom Renngeschehen vor meinem Start ein wenig mitbekam. Ich startete etwas zu schnell und machte eine schnelle erste Runde. Auch ich blieb vom starken Wind nicht verschont, konnte aber beim Liegendschiessen meine Visierlinie richtig verstellen und fünf Treffer setzten. Auf der zweiten Runde traf ich meinen Teamkollegen und guten Freund Laurin Fravi an, der auf seiner letzten Runde war. Sein Wettkampf war aufgrund zu vieler Fehler bereits mehr oder weniger gelaufen, weshalb er während der gesamten Runde vor mir lief und mich somit vom Windschatten profitieren liess. Was jetzt vielleicht nicht so besonders klingt, war für mich eine extrem schöne Geste. Zwar sind wir Teamkollegen, aber im Wettkampf schliesslich immer auch Kontrahenten. Auf der Strecke rief mir mein Trainer zu, ich solle beim Stehendanschlag trotz Wind nicht zu lange zielen und die Schüsse mutig abfeuern. Dies tat ich und verwandelte alle schwarzen Punkte in Weisse. Noch nie zuvor hatte ich mich auf einer Schlussrunde so ausgegeben. Im Ziel leuchtete rot der 18. Rang auf. Kurz zur Einordnung: Mein Ziel vor der Saison war es, IBU-Cup Punkte zu sammeln, was man mit einem Rang in den Top-40 erreicht. Zuvor war mir das noch nie gelungen. Mit dem 18. Rang konnte ich sehr zufrieden sein. Gerade nach den Schwierigkeiten im Dezember war es auch ein sehr emotionaler Erfolg. Seit diesem Tag habe ich bis heute nie mehr einen IBU-Cup ausserhalb der Punkte beendet. Ich gewann meinen ersten Swisscup in der Kategorie Herren, holte mit einem zweiten Rang in Val di Fiemme mein erstes Podest im Alpencup und verbesserte sowohl Trefferquote wie auch Laufleistung. Für mein persönliches Saison-Highlight, den IBU-Cup auf der Lenzerheide, konnte ich mich dank dieser Leistungen ebenfalls direkt qualifizieren. Mit den Rängen 20, 25, und 12 war ich ebenfalls enorm zufrieden. Besonders schön war es, dass jeder im Schweizer Team grossartige Leistungen zeigen konnte. Das grosse Highlight war für mich der 12. Rang im Massenstart vor heimischen Publikum.

Ebenfalls interessant zu wissen: Die Selektionskriterien für das B-Kader sind 3 x Top-15 im IBU Cup. Nach dem Massenstart in Lenzerheide standen nur noch zwei Einzelrennen in dieser Serie an. Sprint und Verfolgung. Dafür fuhren wir nach Ridnaun im Südtirol. Bei traumhaften Frühlingswetter schaffte ich es im Sprint mit einem Schiessfehler auf den 15. Rang. Im abschliessenden Verfolger schaffte ich es, mich dank nur einem Fehler im Liegendschiessen, auf den 7. Schlussrang vorzuarbeiten. Im letzten internationalen Rennen der Saison konnte ich also mein deutliches Karriere-Bestresultat erzielen. Etwas ärgerlich war es zwar schon; mit Rang 6 hätte ich es in die flower ceremony geschafft, was auch mit Preisgeld verbunden gewesen wäre. Und schon erwische ich mich, wie ich auf viel zu hohem Niveau jammere. Die zuvor erwähnten Selektionskriterien (3x Top 15) erreichte ich also in den letzten drei Möglichkeiten, mit den Rängen 12, 15 und 7.  Ein kleiner Dämpfer kam dann aber doch noch. Ich hatte mich in Ridnaun mit Covid angesteckt und musste mich anschliessend in Isolation begeben. Es hätte wohl auch schlechtere Zeitpunkte gegeben, denn es stand nur noch ein Punkt auf dem Saisonprogramm: Die Schweizermeisterschaften. Ich hätte den Winter zu diesem Zeitpunkt auch beenden und mich in die Frühlingspause begeben können. Doch gerade nach den letztjährigen Schweizermeisterschaften, die mir so positiv im Gedächtnis geblieben sind, wollte ich es dann doch nochmal versuchen. Viel erwartet habe ich nicht, da ich mir der Auswirkungen von Corona auf die sportliche Leistungsfähigkeit durchaus bewusst war. Wie vermutet zeigte sich Covid dann in der Laufleistung und ich konnte keine nennenswerte Resultate erzielen. Was ich nach einer solchen Saison aber auch nicht als allzu schlimm empfand. Wichtig war mir, dass ich beim letzten Auftritt von Benjamin Weger und Selina Gasparin dabei sein konnte und mich, insbesondere mit Benji, ein letztes Mal messen konnte. Selbst wenn an diesem Tag kein Kraut gegen ihn gewachsen war. Er gewann sein letztes Rennen souverän. Auch Eligius Tambornino und Martin Jäger, die ebenfalls ihren Rücktritt vom Spitzensport gegeben haben, wünsche ich für die Zukunft alles Gute und bedanke mich für die allzeit willkommenen Ratschläge.

Auch bedanken möchte ich mich bei meiner Familie, meinen Sponsoren und besonders meiner Freundin Debora. Ein spezieller Dank gilt auch euch allen, die meine, zum Teil viel zu lang geratenen Artikel so aufmerksam und bis zum Schluss durchlesen. Danke für das tolle Feedback, das ich stets von euch bekomme und für die Treue, die ihr mir während dieser Saison wieder entgegengebracht habt. Das Training für die nächste Saison habe ich bereits wieder aufgenommen und dank einiger Umstellungen im System und Trainerstab sehe ich voller Zuversicht in die Zukunft. Mehr dazu kommt möglicherweise im nächsten Artikel. Ich freue mich jetzt schon darauf, euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

Gion ;)

 

Stärken

Meine Stärke ist vor allem mein Wille und meine Disziplin. Ich bin ein seriöser Arbeiter und scheue keinen Trainingsaufwand. Ich bin fähig in einem Team zu funktionieren und kann so von meinen Kollegen und Konkurrenten profitieren.

Schwächen

Zum Verhängnis wird mir häufig mein Übermut oder mein Ehrgeiz. Oft erwarte ich zu viel von mir selbst und stecke mir zu hohe Ziele die sehr schwer zu erreichen sind.

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Arbeit

Meine Ausbildung zum Kaufmann durfte ich auf der Gemeindeverwaltung meiner Wohngemeinde in Wald absolvieren.

Heute bin ich als Spitzensportler beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit angestellt.

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Freizeit

Wenn ich gerade kein Biathlon betreibe, gehe ich gerne anderen Sportarten wie Fussball oder Basketball nach. Aber auch einen neuen Kinofilm lasse ich mir selten entgehen.

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Musik

Musik spielte in meinem Leben schon immer eine zentrale Rolle. So kann mich Musik sehr motivieren. Seit kurzem versuche ich mich gemeinsam mit zwei Kollegen als Rapper in der Hip-Hop Szene. Am besten gefällt mir momentan die Musik von David Bowie

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ÜBER MICH
                   

UND BIATHLON

In eine vom nordischen Sport begeisterte Familie hineingeboren und im Schatten des Bachtels aufgewachsen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich schon als kleiner Junge auf den schmalen Latten zu versuchen. Da der als Talentschmiede bekannte Skiclub am Bachtel auf eine lange Tradition im Skilanglauf zurückblicken kann und schon viele Athleten hervorbrachte, die den Sprung an die Weltspitze schafften, war ich dort von Anfang an gut aufgehoben.

 

Es war für mich jedoch wichtig, neue Reize zu setzten und das langlaufen mit einer anderen Sportart zu kombinieren. So kam ich vorerst zur nordischen Kombination. Nach einiger adrenalinreichen Zeit, die ich in der Luft verbrachte, entschied ich mich für eine Sportart auf dem Boden. Es stand ausser Frage, dass das Langlaufen ein Teil meiner sportlichen Karriere bleiben sollte und da mein Bruder zu diesem Zeitpunkt eine faszinierende Sportart für sich entdeckt hatte, fiel es mir leicht, diesem Weg zu folgen. Ich trat also dem von meinem Onkel Jürg Kunz und Robert Braun wieder neu aufgebauten Biathlon Nachwuchs-Team bei.

 

Um ein erfolgreicher Biathlet zu sein, muss man gleich in mehreren und zum Teil komplett unterschiedlichen Bereichen über Stärken verfügen. So braucht man neben Kraft und Ausdauer beim Laufen auch eine ruhige Hand beim Schiessen. Auf der Stecke muss man seine mentalen Grenzen überwinden um schneller zu laufen als die Gegner, am Schießstand muss man eben diese Konkurrenten  ausblenden und sich einzig und allein auf sich selber konzentrieren.


Den ersten wichtigen Schritt meiner Karriere machte ich nach dem Wechsel vom Luft- auf das Kleinkalibergewehr. Damals nahm ich unmittelbar nach der Wettkampfsaison am sogenannten Sichtungsweekend teil. Es ging darum, sich für das Leonteq Biathlon Team, welches auch Kandidatengruppe genannt wird, zu qualifizieren. Erfreulicherweise schaffte ich den Sprung in dieses Kader, in dem damals auch mein Bruder trainierte.

Mit der Kandidatengruppe fand ich einen Platz in einem Gefäss, wo ich sowohl meine motorischen, kognitiven, sowie meine Fähigkeiten am Schiessstand stark verbessern konnte. Was ich zudem lernen durfte war Seriösität und ein diszipliniertes Verhalten was das Training anbelangte. Auf vielen Ebenen machte ich im Leonteq Biathlon Team also eine grosse Entwicklung durch.

Den nächsten wichtigen Sprung machte ich nach drei Jahren in der Kandidatengruppe. Es war die Selektion für das Junioren C-Kader von Swiss-Ski. Bis heute trainiere ich unter Gion-Andrea Bundi und Harald Egger und konnte dabei nochmals eine grosse Leistungsentwicklung durchmachen, sowie einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Profisportler zurück legen.